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Shopify-App durch eigenen Code ersetzen: wann es sich lohnt

Wann sich der Umbau rechnet, was beim Deinstallieren im Shop zurückbleibt und wie eine Ablösung läuft, ohne dass etwas still ausfällt.

Justin KreutzmannJustin Kreutzmann11 min Lesezeit

Die Frage kommt fast immer in derselben Verpackung: "Wir zahlen für sechs Apps zusammen 340 Euro im Monat, kann man das nicht selbst bauen?" Man kann. Die interessantere Frage ist, ob man sollte, und für welche der sechs.

Dieser Artikel behandelt die Ablösung selbst: die Rechnung, die dahinter stehen muss, was beim Deinstallieren tatsächlich im Shop zurückbleibt, und wie man umbaut, ohne dass zwischendurch still etwas ausfällt. Was Apps grundsätzlich nicht können, steht in einem eigenen Artikel, die Entscheidung zwischen Shopify Flow und eigenem Code in einem weiteren.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Monatsgebühr ist selten der eigentliche Grund. Meistens geht es darum, dass die App eine bestimmte Sache nicht kann und der Workaround teurer ist als die App.
  • Beim Deinstallieren bleibt mehr zurück, als die meisten erwarten. Shopify schreibt selbst: manche Apps hinterlassen Theme-Code, der nicht automatisch entfernt wird.
  • Der teuerste Irrtum: Deinstallieren kündigt keine Abrechnung, die außerhalb von Shopify läuft. Das steht so in der Shopify-Hilfe und kostet regelmäßig Geld nach dem Umbau.
  • Eigener Code hat keine Wartungspauschale, aber Wartung. Wer das aus der Rechnung lässt, rechnet sich den Umbau schön.
  • Der sichere Weg ist nie ein Stichtag, sondern ein Parallelbetrieb: neu bauen, beide laufen lassen, vergleichen, dann erst abschalten.

Der eigentliche Grund ist selten der Preis

Bei sechs Apps für 340 Euro im Monat sind das über drei Jahre gut 12.000 Euro. Die Zahl klingt nach einem Argument, und sie ist trotzdem meistens das schwächste.

Denn eine App, die genau das tut, was Sie brauchen, ist zu 55 Euro im Monat ein sehr gutes Geschäft. Niemand baut ein Bewertungssystem, einen Cookie-Banner oder eine Abo-Verwaltung günstiger nach, als der Anbieter sie über tausend Shops finanziert.

Der Umbau lohnt sich, wenn einer von drei Sätzen zutrifft:

  1. "Die App kann das eine nicht, das wir brauchen." Und der Workaround kostet jemanden jede Woche Zeit. Das ist der häufigste echte Fall.
  2. "Wir haben drei Apps, die dasselbe Feld anfassen." Dann ist nicht die Gebühr das Problem, sondern dass niemand mehr weiß, welche gewinnt.
  3. "Die App bremst den Shop." Jede App bringt JavaScript mit, und das landet im kritischen Pfad. Was das messbar ausmacht, steht im Artikel zu Performance.

Trifft keiner der drei Sätze zu, ist die ehrliche Antwort: lassen Sie die App laufen.

Die Rechnung, die stimmen muss

Der Vergleich, den fast alle aufstellen, lautet: App-Gebühr mal Monate gegen einmalige Entwicklungskosten. So gerechnet lohnt sich jeder Umbau, man muss den Zeitraum nur lang genug wählen.

Vollständig gehören auf die Seite des eigenen Codes noch drei Posten:

PostenBei der AppBei eigenem Code
Anschaffungkeineeinmalig
Laufende Gebührmonatlichkeine
Wartung bei API-Versionswechselim Preis enthaltenIhre Sache
Anpassung an neue Pflichtenim Preis enthalten, meistensIhre Sache
Theme-UpdateAnbieter zieht nachSie ziehen nach

Der dritte Punkt ist der, den man am leichtesten übersieht. Shopify versioniert die Admin API und nimmt ältere Versionen nach einiger Zeit außer Betrieb. Eine App fängt das für Sie ab. Eigener Code fängt es nicht ab, er hört an einem Tag einfach auf zu funktionieren, wenn niemand nachgezogen hat.

Rechnen Sie deshalb mit einem jährlichen Wartungsposten, auch wenn er in vielen Jahren nicht anfällt. Ein Umbau, der sich nur ohne diesen Posten rechnet, rechnet sich nicht.

Was beim Deinstallieren wirklich passiert

Hier liegen die Überraschungen. Drei davon stehen so in Shopifys eigener Dokumentation, zwei im Hilfebereich für Händler und eine in der Entwicklerdokumentation.

Theme-Code bleibt teilweise stehen

Shopify schreibt in der eigenen Dokumentation, dass manche Apps Code zum Theme des Onlineshops hinzufügen, der beim Deinstallieren nicht automatisch entfernt wird (Quelle: Shopify-Hilfe).

Ob es Sie trifft, hängt daran, wie die App gebaut ist:

  • App-Blöcke und App-Embeds (Theme App Extensions) fassen den Theme-Code gar nicht an. Die Entwicklerdokumentation nennt das ausdrücklich als Vorteil: solche Apps "don't edit theme code" und senken damit das Risiko, das Theme zu beschädigen (Quelle: shopify.dev). Nach der Deinstallation rendert der Block nichts mehr. Der Verweis kann trotzdem in der JSON-Vorlage stehen bleiben, sichtbar ist davon nichts.
  • Ältere Apps, die über die Asset API direkt in Ihre Liquid-Dateien geschrieben haben, hinterlassen genau das: Schnipsel in theme.liquid, ein zusätzliches Snippet, manchmal ein <script>-Tag mitten im Kopfbereich. Das bleibt liegen und läuft ins Leere.

Praktisch heißt das: Vor dem Deinstallieren einmal im Theme-Code nach dem Namen der App suchen. Nach dem Deinstallieren noch einmal, denn erst dann sehen Sie, was übrig ist.

Daten sind weg, wenn Sie sie nicht vorher holen

Shopify empfiehlt in derselben Dokumentation, alle benötigten Daten vor dem Entfernen der App zu exportieren. Das ist keine Formalie. Was in der Datenbank des App-Anbieters liegt, gehört Ihnen praktisch nicht mehr, sobald die Verbindung getrennt ist.

Bei Metafeldern ist es anders und trotzdem unangenehm. Metafelder liegen in Ihrem Shop und bleiben dort. Aber Metafeld-Definitionen, die eine App für sich reserviert hat, lassen sich nach dem Deinstallieren kaum noch sauber aufräumen, weil die App die Rechte dafür nicht mehr hat. Das ist ein wiederkehrendes Thema in der Shopify Community und hat keine bequeme Lösung.

Die Ablösung in Schritten

Kein Stichtag. Der Grund ist simpel: Sie merken einen Fehler im neuen Code erst, wenn er passiert ist, und ohne die alte App daneben haben Sie nichts zum Vergleichen.

  1. Aufschreiben, was die App tatsächlich tut

    Nicht was auf der Store-Seite steht, sondern was in Ihrem Shop davon benutzt wird. In den Shops, die ich gesehen habe, waren es fast nie mehr als zwei oder drei von einem Dutzend. Alles andere muss nicht nachgebaut werden, und das ist der größte Hebel auf den Aufwand.

  2. Datenlage klären

    Wo liegen die Daten der App? In Metafeldern Ihres Shops, in Tags, in einer eigenen Datenbank beim Anbieter? Nur das Erste bleibt Ihnen automatisch erhalten. Für alles andere jetzt exportieren, nicht später.

  3. Neu bauen, ohne die App anzufassen

    Der Ersatz läuft zuerst neben der App her, nicht statt ihr. Bei Ausgaben im Theme heißt das: die neue Ausgabe erst einmal versteckt oder auf einer Testseite. Bei Automatisierungen: der neue Prozess schreibt in ein eigenes Feld, nicht in das der App.

  4. Vergleichen, mit echten Daten

    Eine Woche parallel laufen lassen und die Ergebnisse gegeneinander halten. Genau hier fallen die Sonderfälle auf, an die beim Aufschreiben niemand gedacht hat: die Variante ohne Gewicht, der Kunde ohne Land, die Bestellung mit Teilrückgabe.

  5. Umschalten, App noch stehen lassen

    Zuerst nur die Ausgabe umstellen. Die App bleibt für ein paar Tage installiert. Wenn etwas fehlt, ist der Rückweg ein Schalter und keine Wiederherstellung.

  6. Deinstallieren und nachsehen

    Erst jetzt. Danach im Theme nach Resten suchen, externe Abrechnung kündigen und prüfen, ob die App-Blöcke wirklich aus den betroffenen Vorlagen verschwunden sind.

Was Sie mit der App verlieren

Damit die Rechnung ehrlich bleibt, gehört diese Liste dazu.

Sie verlieren den Support. Bei der App schreiben Sie eine Mail, wenn etwas nicht geht. Bei eigenem Code sind Sie die Adresse, an die geschrieben wird.

Sie verlieren das Nachziehen bei neuen Pflichten. Eine gute Cookie-Banner-App hat Consent Mode v2 eingebaut, als es soweit war, ohne dass jemand einen Auftrag erteilen musste. Eigener Code zieht nach, wenn jemand daran denkt. Wenn Sie eine App ablösen, die an gesetzlichen Themen hängt, übernehmen Sie damit die Pflicht, die Änderungen zu verfolgen. Die Fristen-Übersicht hilft dabei, ersetzt aber niemanden, der hinsieht.

Sie verlieren die Fehler der anderen. Ein App-Anbieter mit tausend Shops hat Randfälle gesehen, die Ihnen in drei Jahren einmal begegnen. Der Ersatz kennt sie am ersten Tag nicht.

Was Sie dafür bekommen: Der Code gehört Ihnen, er tut genau das eine, was Sie brauchen, und er bringt kein fremdes JavaScript in den kritischen Pfad.

Der Sonderfall: die Ablösung, die Sie nicht wollten

Manchmal entscheidet nicht die Rechnung, sondern eine Plattform-Umstellung. Am 26. August 2026 hat Shopify bei allen Shops ohne Plus-Tarif die Script-Tags auf Danke- und Bestellstatusseite abgeschaltet. Wer dort Conversion-Tracking über eine App oder ein eingefügtes Skript laufen hatte, meldet seitdem nichts mehr, ohne dass eine Fehlermeldung erscheint.

Das ist eine erzwungene Ablösung mit allen Merkmalen aus diesem Artikel: Der Ersatz ist eigener Code in Form eines Custom Pixels, die alte Lösung ist nicht mehr reparierbar, und der Ausfall ist still. Was zu tun ist, steht ausführlich in einem eigenen Artikel mit Generator für den Ersatz-Code.

Fazit

Die Frage ist nicht, ob man eine App durch eigenen Code ersetzen kann. Man kann fast immer. Die Frage ist, ob das eine bestimmte App bei Ihnen genug Ärger macht, dass sich der Umbau und die Wartung danach lohnen.

Wenn ja, entscheidet über den Erfolg fast nichts von dem, was man am Anfang für wichtig hält. Nicht die Sprache, nicht das Framework. Sondern: haben Sie vorher aufgeschrieben, was die App wirklich tut, haben Sie die Daten geholt, bevor sie weg waren, und haben Sie lange genug parallel laufen lassen, um die Sonderfälle zu finden.

Häufige Fragen

Häufige Fragen

Ab wie vielen Euro im Monat lohnt sich der Umbau?

Diese Zahl gibt es nicht, weil sie vom Aufwand der einen konkreten Funktion abhängt und nicht vom Preis der App. Eine App für 15 Euro kann sich lohnen abzulösen, wenn ihr Workaround jede Woche eine Stunde frisst. Eine App für 200 Euro kann sich nicht lohnen, wenn sie zwölf Dinge tut, die Sie alle brauchen. Rechnen Sie pro Funktion, nicht pro App.

Bleiben meine Metafelder erhalten, wenn ich die App deinstalliere?

Die Werte in Ihrem Shop bleiben, sie liegen in Ihrem Shop und nicht beim Anbieter. Unangenehm wird es bei Metafeld-Definitionen, die eine App für sich reserviert hat: Nach dem Deinstallieren hat die App keine Rechte mehr, um sie aufzuräumen, und ein bequemer Weg, sie loszuwerden, existiert nicht. Prüfen Sie deshalb vor der Ablösung, in welchem Namensraum die Daten liegen.

Warum wird mir die App nach dem Deinstallieren weiter berechnet?

Vermutlich, weil sie nicht über Shopify abrechnet. Shopify schreibt selbst, dass das Deinstallieren im Adminbereich externe Abrechnungen nicht kündigt. Sehen Sie in Ihrer Shopify-Rechnung nach: Taucht die App dort nicht auf, läuft die Zahlung über ein separates Konto beim Anbieter und muss dort gekündigt werden.

Wie finde ich Theme-Code, den eine App hinterlassen hat?

Im Theme-Code-Editor über alle Dateien nach dem Namen der App und nach der Domain des Anbieters suchen. Typische Fundstellen sind theme.liquid im Kopf- und Fußbereich, eigene Snippets mit dem App-Namen im Dateinamen, und Reste in den JSON-Vorlagen. Legen Sie vorher eine Kopie des Themes an, dann ist ein Fehlgriff folgenlos.

Kann ich mehrere Apps auf einmal ablösen?

Technisch ja, sinnvoll selten. Wenn nach dem Umschalten etwas fehlt, wissen Sie bei einer abgelösten App sofort, wo Sie suchen müssen. Bei vier gleichzeitig suchen Sie in vier Richtungen. Nacheinander dauert länger und kostet weniger.

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Justin Kreutzmann

Geschrieben von

Justin Kreutzmann

Shopify-Entwickler für Custom Apps, ERP-Integrationen und Prozessautomatisierung. Ich helfe Marken, technische Grenzen zu überwinden: mit Lösungen, die im Alltag von Händlern wirklich funktionieren.

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