
GPSR im Shopify-Shop: Pflichtangaben richtig anzeigen
GPSR im Shopify-Shop umsetzen: Pflichtangaben auf der Produktseite, drei Apps im Preisvergleich und Schritt-für-Schritt-Einrichtung — technisch erklärt.
Die GPSR im Shopify-Shop ist seit Dezember 2024 Pflicht — und sie wird aktiv abgemahnt. Der Händlerbund dokumentierte allein im Mai 2025 mindestens 12 GPSR-Abmahnfälle, mit Kosten von 357 bis 1.600 € pro Verstoß (Quelle: masedo). Der häufigste Fehler dabei ist kein juristischer, sondern ein technischer: Die Pflichtangaben existieren zwar irgendwo im Shop, aber nicht dort, wo sie hingehören — direkt auf der Produktseite.
Genau diese Lücke lässt sich in Shopify sauber schließen. Die Datenstruktur dafür liefern Metafelder oder eine spezialisierte App, die Anzeige übernimmt ein Theme-Block oder ein App-Widget. In diesem Artikel zeige ich, welche Pflichtangaben die Produktsicherheitsverordnung für den Onlineshop vorsieht, vergleiche drei GPSR-Apps aus dem Shopify App Store mit Preisen und führe durch die komplette Einrichtung — vom Metafeld bis zum mehrsprachigen Test.
Eine Sache vorab, weil sie zu diesem Thema gehört: Ich bin Shopify-Entwickler, kein Anwalt. Dieser Artikel beschreibt die technische Umsetzung. Ob und welche Angaben für Ihre konkreten Produkte nötig sind, klären Sie mit einem Anwalt für IT-Recht oder über Ihre Mitgliedschaft bei Händlerbund oder IT-Recht Kanzlei — ich baue die Vorgaben dann ein.
Das Wichtigste in Kürze
- Die GPSR (EU-Verordnung 2023/988) verlangt im Fernabsatz u. a. Herstellerangaben, ggf. eine EU-verantwortliche Person sowie Warn- und Sicherheitshinweise — sichtbar im Angebot.
- Der laut Händlerbund verbreitetste Abmahnfehler: Angaben nicht direkt auf der Produktseite — ein verlinktes PDF reicht nicht.
- Drei Shopify-Apps decken die Anzeige ab: GPSR Produktsicherheit Manager (Free/$15/$29), GPSR Kit (Free/$14.99/$29) und ShopCompliance (Free/$29/$199).
- Ohne App geht es mit Metafeldern plus Theme-Block — mehr Handarbeit, dafür keine monatlichen App-Kosten.
- Der eigentliche Aufwand liegt nicht in der Technik, sondern in der Datenbeschaffung beim Hersteller und der sauberen Zuordnung pro Produkt.
Was die Produktsicherheitsverordnung im Onlineshop verlangt
Die General Product Safety Regulation (Verordnung (EU) 2023/988) gilt seit dem 13. Dezember 2024 für Non-Food-Verbraucherprodukte. Für den Fernabsatz — also jeden Onlineshop — schreibt Artikel 19 vor, welche Informationen das Angebot enthalten muss:
- Hersteller: Name bzw. Handelsname oder Marke, Postanschrift und eine elektronische Adresse (E-Mail reicht)
- EU-verantwortliche Person, wenn der Hersteller außerhalb der EU sitzt: Name, Postanschrift, elektronische Adresse
- Produktidentifikation: Abbildung, Art des Produkts und weitere Identifikatoren wie Typ- oder Modellnummer
- Warnhinweise oder Sicherheitsinformationen in der Sprache des Ziellandes — für deutsche Kundinnen und Kunden also auf Deutsch
Technisch heißt das für Shopify: Sie brauchen pro Produkt einen Datensatz mit Herstellerangaben und Sicherheitsinformationen — und eine Anzeige-Logik, die diese Daten auf der Produktseite rendert. Beides ist mit Bordmitteln oder per App lösbar. Der schwierige Teil ist ein anderer, dazu gleich mehr.
Der häufigste Abmahnfehler: Angaben nicht direkt auf der Produktseite
Die GPSR-Herstellerangabe ist ein laufender Abmahngrund, wie der Händlerbund dokumentiert. Der Kernfehler in den dokumentierten Fällen: Die Pflichtangaben stehen nicht direkt auf der Produktseite — ein Link auf ein PDF oder eine zentrale Info-Seite reicht nicht. Auch die IT-Recht Kanzlei beschreibt einen konkreten Abmahnfall wegen fehlender Herstellerdaten.
Das Muster sehe ich in Audits ständig: Der Händler hat die Daten irgendwann vom Lieferanten bekommen, als PDF im Files-Bereich hochgeladen und in der Produktbeschreibung verlinkt. Sieht erledigt aus, ist es aber nicht — die Angaben selbst müssen im Angebot sichtbar sein.
Der Trend dahinter ist kein Einzelfall-Rauschen: Laut Händlerbund-Abmahnstudie 2025 stieg die Zahl der Abmahnungen gegenüber 2023 um rund 50 Prozent (Sekundärquelle: ihp-media).
GPSR-Apps für Shopify im Vergleich
Der Shopify App Store bietet inzwischen mehrere spezialisierte GPSR-Apps. Drei habe ich mir im Detail angesehen (Preise und Bewertungen: Stand August 2026, jeweils laut App-Store-Listing):
| App | Preis/Monat | Bewertung | Ansatz | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| GPSR Produktsicherheit Manager | Free / $15 / $29 | 4,9 ★ (26 Reviews) | Widget | Anzeige ohne Theme-Code-Anpassung |
| GPSR Kit | Free / $14.99 / $29 | 0 Reviews (Launch 07/2026) | Metafelder | Schreibt in native Shopify-Metafelder |
| ShopCompliance | Free / $29 / $199 | 0 Reviews | Suite | GPSR + Omnibus + WEEE, nur für DE |
Meine Einordnung nach Anwendungsfall:
- GPSR Produktsicherheit Manager ist der pragmatische Standard: die einzige der drei Apps mit nennenswerter Review-Basis, das Widget funktioniert ohne Eingriff ins Theme. Guter Default für die meisten Shops.
- GPSR Kit verfolgt den technisch saubersten Ansatz: Die Daten landen in nativen Shopify-Metafeldern und gehören damit Ihrem Shop, nicht der App. Kündigen Sie die App, bleiben die Daten — und jedes OS-2.0-Theme kann sie direkt rendern. Der Haken: Die App ist seit Juli 2026 im Store und hat noch keine Reviews.
- ShopCompliance lohnt einen Blick, wenn Sie GPSR, Omnibus-Preisangaben und WEEE-Kennzeichnung in einer App bündeln wollen — der große Plan ist mit $199/Monat allerdings deutlich teurer als Einzellösungen.
GPSR-App
- In 1–2 Stunden produktiv, kein Theme-Wissen nötig
- Zentrale Hersteller-Verwaltung: einmal anlegen, vielen Produkten zuordnen
- Updates bei geänderten Anforderungen übernimmt der App-Anbieter
Eigene Lösung (Metafelder + Theme)
- Mehr Handarbeit: Datenpflege und Zuordnung je Produkt liegen komplett bei Ihnen
- Theme-Kenntnisse nötig (Liquid, Metafelder, Theme-Blöcke)
- Bei mehrsprachigen Shops: Pflege der Inhalte pro Sprache und Markt
Wichtig für die Erwartungshaltung: Jede dieser Apps löst nur die Anzeige. Die Herstellerdaten, E-Mail-Adressen der EU-verantwortlichen Personen und produktspezifischen Warnhinweise müssen Sie selbst beim Hersteller oder Importeur beschaffen und pro Produkt korrekt zuordnen. Das ist bei einem Sortiment mit 500 Artikeln von 30 Lieferanten der eigentliche Projektaufwand — nicht die App-Installation.
Einrichtung Schritt für Schritt (am Beispiel GPSR Produktsicherheit Manager)
Der Ablauf ist bei allen drei Apps ähnlich; ich zeige ihn am Beispiel der App mit der größten Review-Basis.
Daten beschaffen — vor der Technik
Sammeln Sie pro Hersteller: Name, Postanschrift, E-Mail-Adresse — und bei Nicht-EU-Herstellern die Angaben der EU-verantwortlichen Person. Dazu pro Produkt die Warn- und Sicherheitshinweise in deutscher Sprache. Praxis-Tipp: eine Tabelle mit den Spalten Lieferant, Hersteller, Anschrift, E-Mail, EU-Verantwortlicher, Warnhinweise — die wird später Ihre Import-Vorlage. Dieser Schritt dauert bei vielen Lieferanten Wochen, starten Sie ihn zuerst.
App installieren
Im Shopify App Store die App aufrufen und mit Installieren dem Shop hinzufügen. Der Free-Plan reicht zum Testen; für den Produktivbetrieb mit größerem Sortiment brauchen Sie je nach Produktanzahl den $15- oder $29-Plan.
Hersteller zentral anlegen
In der App legen Sie jeden Hersteller einmal als Datensatz an. Das ist der große Effizienzhebel gegenüber der Pflege pro Produkt: Ändert sich eine Hersteller-Adresse, korrigieren Sie sie an einer Stelle — alle zugeordneten Produkte ziehen nach.
Produkte zuordnen
Ordnen Sie jedem Produkt seinen Hersteller und die produktspezifischen Sicherheitshinweise zu. Bei großen Sortimenten lohnt die Zuordnung über Sammelaktionen (nach Vendor oder Tag filtern) statt Produkt für Produkt.
Widget-Platzierung auf der Produktseite prüfen
Das Widget rendert die Angaben ohne Theme-Code-Anpassung auf der Produktseite. Kontrollieren Sie im Storefront (nicht nur in der App-Vorschau), dass der Block sichtbar oberhalb des Footers erscheint und nicht durch Custom-CSS oder ein Page-Builder-Layout verdeckt wird.
Stichproben-Test wie ein Abmahnverein
Öffnen Sie 10 zufällige Produktseiten im Inkognito-Fenster — auch Varianten-Produkte und per Google indexierte URLs. Sichtbar sein müssen die Angaben selbst, nicht nur ein Link. Wenn Ihr Shop über Shopify Markets mehrsprachig läuft, prüfen Sie jede Sprachversion: Sicherheitshinweise gehören in die Sprache des jeweiligen Ziellandes.
Alternative ohne App: Metafelder plus Theme-Block
Wer keine monatlichen App-Kosten will und sein Theme im Griff hat, baut die Anzeige selbst. Zwei Bausteine:
1. Metafeld-Definitionen anlegen: Im Admin unter Einstellungen → Benutzerdefinierte Daten → Produkte → Definition hinzufügen legen Sie z. B. an: custom.gpsr_hersteller (mehrzeiliger Text), custom.gpsr_eu_verantwortlicher (mehrzeiliger Text), custom.gpsr_warnhinweise (Rich Text). Die Befüllung geht per Bulk-Editor, CSV-Import oder — bei großen Sortimenten — automatisiert per Flow oder Mechanic.
2. Snippet im Theme rendern:
{% comment %} GPSR-Pflichtangaben, eingebunden im Produkt-Template {% endcomment %}
{%- if product.metafields.custom.gpsr_hersteller != blank -%}
<div class="gpsr-info">
<h3>{{ 'products.gpsr.heading' | t }}</h3>
<p><strong>Hersteller:</strong><br>
{{ product.metafields.custom.gpsr_hersteller | newline_to_br }}</p>
{%- if product.metafields.custom.gpsr_eu_verantwortlicher != blank -%}
<p><strong>Verantwortliche Person in der EU:</strong><br>
{{ product.metafields.custom.gpsr_eu_verantwortlicher | newline_to_br }}</p>
{%- endif -%}
{%- if product.metafields.custom.gpsr_warnhinweise != blank -%}
<div class="gpsr-info__warnings">
{{ product.metafields.custom.gpsr_warnhinweise | metafield_tag }}
</div>
{%- endif -%}
</div>
{%- endif -%}Eingebunden wird das Snippet per {% render 'gpsr-info' %} im Produkt-Template — oder Sie bauen es als eigenen Theme-Block, den der Kunde im Customizer frei platzieren kann. Wie solche Blöcke seit Online Store 2.0 funktionieren, habe ich im Sections-Everywhere-Guide beschrieben. In modernen OS-2.0-Themes kommen Sie sogar ganz ohne Code aus: Ein Text-Block mit dynamischer Quelle im Produkt-Template kann Metafelder direkt anzeigen — dann fehlt allerdings die Bedingungslogik für optionale Felder.
Der Übersetzungs-Filter | t im Beispiel ist bewusst gewählt: Läuft Ihr Shop mehrsprachig, gehören Überschrift und Feld-Labels in die Locale-Dateien, und die Metafeld-Inhalte selbst müssen pro Sprache übersetzt gepflegt werden.
Fazit: Die Technik ist der schnelle Teil — die Datenpflege der echte
Die Anzeige von GPSR-Pflichtangaben ist in Shopify ein gelöstes Problem: Eine App ab rund 15 $/Monat oder ein Nachmittag Metafeld-plus-Theme-Arbeit, und die Produktseite zeigt, was sie zeigen soll. Abgemahnt wird trotzdem laufend — weil die Angaben in PDFs versteckt sind, weil einzelne Produkte bei der Zuordnung durchrutschen, weil die zweite Sprachversion vergessen wurde.
Meine Empfehlung: Erst die Datenbeschaffung bei den Herstellern starten (der langsamste Schritt), parallel die App- oder Metafeld-Frage entscheiden, dann systematisch zuordnen und mit Stichproben im Live-Storefront testen. Wenn Sie nicht sicher sind, wo Ihr Shop steht: Genau dafür gibt es das technische Compliance-Audit für 490 € — einen vollständigen technischen Prüfbericht über GPSR-Anzeige, Grundpreise, Energielabel und Rechtstexte-Einbindung, mit priorisierter Fix-Liste. Die Umsetzung übernehme ich auf Wunsch im Fix-Sprint (ab 1.500 €); die rechtliche Bewertung Ihres Einzelfalls liegt bei Anwalt, Händlerbund oder IT-Recht Kanzlei — deren Vorgaben baue ich ein.
Häufige Fragen
Was kostet eine GPSR-App für Shopify?
Die drei verbreiteten Optionen liegen nah beieinander: GPSR Produktsicherheit Manager kostet Free, $15 oder $29 pro Monat, GPSR Kit Free, $14.99 oder $29 pro Monat, ShopCompliance Free, $29 oder $199 pro Monat (Stand August 2026, laut App-Store-Listings). Die Free-Pläne eignen sich zum Testen, für größere Sortimente brauchen Sie in der Regel einen Bezahlplan.
Reicht ein PDF-Link für die GPSR-Pflichtangaben auf der Produktseite?
Nein. Genau das ist laut Händlerbund der Kernfehler in dokumentierten Abmahnfällen: Die Angaben müssen direkt im Angebot — also auf der Produktseite selbst — sichtbar sein, ein Link auf ein PDF oder eine separate Info-Seite genügt nicht.
Kann ich GPSR-Angaben in Shopify ohne App anzeigen?
Ja. Sie legen Metafeld-Definitionen für Hersteller, EU-verantwortliche Person und Warnhinweise an (Einstellungen → Benutzerdefinierte Daten → Produkte) und rendern sie per Theme-Block oder Liquid-Snippet im Produkt-Template. Das spart die monatlichen App-Kosten, verlangt aber Theme-Kenntnisse und mehr Handarbeit bei der Pflege.
Welche Angaben verlangt die GPSR im Onlineshop?
Artikel 19 der Verordnung (EU) 2023/988 nennt für den Fernabsatz: Name, Postanschrift und elektronische Adresse des Herstellers, bei Nicht-EU-Herstellern zusätzlich die EU-verantwortliche Person, Angaben zur Produktidentifikation (Abbildung, Produktart, Modell- oder Typnummer) sowie Warn- und Sicherheitshinweise in der Sprache des Ziellandes. Was davon für Ihr konkretes Sortiment gilt, klären Sie mit Anwalt oder Händlerbund.
Warum wird die GPSR im Onlineshop überhaupt abgemahnt?
Weil fehlende Pflichtangaben von Wettbewerbern und Abmahnvereinen aktiv geprüft werden: Der Händlerbund dokumentierte allein im Mai 2025 mindestens 12 GPSR-Abmahnfälle mit Kosten von 357 bis 1.600 € pro Verstoß. Die Prüfung ist trivial automatisierbar — jede öffentliche Produktseite lässt sich maschinell auf das Vorhandensein der Angaben scannen.
Wer hilft bei der rechtlichen Bewertung meines Shops?
Für die Einzelfall-Bewertung: ein Anwalt für IT- und Wettbewerbsrecht oder die Rechtsdienste von Händlerbund bzw. IT-Recht Kanzlei (Rechtstexte-Pakete gibt es dort ab 9,90 €/Monat). Die technische Seite — prüfen, wo Angaben fehlen, und sie sauber im Theme oder per App einbauen — ist mein Teil als Entwickler.
Weiterführende Artikel
- Internationale Expansion mit Shopify Markets – Mehrsprachige Shops brauchen GPSR-Angaben in jeder Zielsprache — hier steht, wie Markets, Sprachen und Domains technisch zusammenspielen.
- Shopify 2.0 und Sections Everywhere – Die Grundlage für die App-freie Lösung: wie Theme-Blöcke und Metafelder im Produkt-Template funktionieren.
- Mechanic für Shopify: Komplexe Automatisierung ohne eigenen Server – Wie Sie Metafelder bei großen Sortimenten automatisiert befüllen, statt 500 Produkte von Hand zu pflegen.

Geschrieben von
Justin Kreutzmann
Shopify-Entwickler für Custom Apps, ERP-Integrationen und Prozessautomatisierung. Ich helfe Marken, technische Grenzen zu überwinden — mit Lösungen, die im Alltag von Händlern wirklich funktionieren.
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