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Energielabel in Shopify: EPREL-Anbindung und Datenblatt-Pflicht

EU-Energielabel im Shopify-Shop einrichten: EPREL-Anbindung, Datenblatt-Pflicht, App für 20 $/Monat oder Theme-Code – der technische Leitfaden für Händler.

Justin KreutzmannJustin Kreutzmann10 min Lesezeit

Ein veraltetes „A++" neben dem Preis reicht heute für eine Abmahnung. Der Fall ist dokumentiert: Ein Händler wurde abgemahnt, weil sein Onlineshop beim EU-Energielabel noch die alte Plusklassen-Skala zeigte statt der seit 2021 gültigen Skala von A bis G. Der Händlerbund führt „veraltetes Energieeffizienzlabel" und „fehlendes Energielabel" ausdrücklich als wiederkehrende Abmahngründe – das Energielabel im Shopify-Shop ist damit kein Nebenschauplatz, sondern ein realer Prüfpunkt.

Wer in seinem Shopify-Shop Kühlschränke, Fernseher, Leuchtmittel oder seit Juni 2025 auch Smartphones verkauft, muss das EU-Energielabel und das Produktdatenblatt elektronisch anzeigen – und zwar in der Nähe des Preises, nicht irgendwo im Beschreibungstext. Die gute Nachricht: Technisch ist das in Shopify sauber lösbar, entweder per App mit automatischer EPREL-Anbindung oder mit Metafeldern und wenigen Zeilen Theme-Code.

In diesem Leitfaden zeige ich beide Wege Schritt für Schritt – mit Admin-Pfaden, Code und den typischen Fehlern, die ich in technischen Prüfungen von Shops immer wieder finde.

Das Wichtigste in Kürze

  • Für gelabelte Produktgruppen müssen Energielabel und Produktdatenblatt elektronisch im Shop angezeigt werden – in der Nähe des Preises.
  • Seit dem 1. März 2021 gilt für die großen Produktgruppen die neue Skala A bis G – alte Plusklassen wie A++ sind ein dokumentierter Abmahngrund.
  • EPREL ist das zentrale EU-Produktregister: Hersteller müssen Modelle dort registrieren, bevor sie in der EU verkauft werden – Label und Datenblatt sind öffentlich abrufbar.
  • Die Shopify-App EU Energy Label (20 $/Monat) zieht Label und PDF-Datenblatt automatisch per EPREL-API und zeigt sie auf Produktseite, Kategorie, Suche und Warenkorb.
  • Ohne App geht es mit Metafeldern und einem Liquid-Snippet – sinnvoll bei kleinem Sortiment oder älteren Themes.
  • Dieser Artikel ist ein technischer Leitfaden, keine Rechtsberatung – die rechtliche Bewertung Ihres Einzelfalls gehört zu Anwalt, Händlerbund oder IT-Recht Kanzlei.

Energielabel-Pflicht im Onlineshop: Welche Produkte betroffen sind

Grundlage ist die EU-Verordnung 2017/1369 zur Energieverbrauchskennzeichnung, in Deutschland flankiert durch die EnVKV. Für Onlineshops heißt das laut Trusted Shops: Das elektronische Energielabel und das elektronische Produktdatenblatt müssen deutlich sichtbar, lesbar und in der Nähe des Produktpreises platziert sein.

Erlaubt ist dabei die sogenannte geschachtelte Anzeige: ein klickbarer Pfeil in der Farbe der Effizienzklasse mit der Klassenangabe, der das vollständige Label per Overlay, Pop-up oder neuem Tab öffnet. Das Datenblatt darf analog über einen klar beschrifteten Link eingebunden werden. Ein nackter Text wie „Klasse C" ohne hinterlegtes Label genügt dieser Vorgabe nicht.

Die wichtigsten Produktgruppen mit neuer A–G-Skala:

ProduktgruppeA–G-Skala gültig seitTypische Shopify-Kategorien
Kühl- und Gefriergeräte1. März 2021Haushaltsgeräte, Camping-Kühlboxen
Waschmaschinen und Waschtrockner1. März 2021Haushaltsgeräte
Geschirrspüler1. März 2021Haushaltsgeräte
Elektronische Displays inkl. Fernseher1. März 2021TV, Monitore, Digital Signage
LichtquellenSeptember 2021Leuchtmittel, Lampen mit fest verbauten LEDs
Smartphones und Tablets20. Juni 2025Elektronik, Refurbished-Geräte

Für Smartphones und Tablets, die seit dem 20. Juni 2025 neu auf den Markt kommen, zeigt das Label laut Verbraucherzentrale neben der Effizienzklasse erstmals auch Akkulaufzeit, Reparierbarkeitsklasse, Sturzfestigkeit und Schutzart. Weitere Gruppen wie Wäschetrockner oder Raumheizgeräte unterliegen eigenen delegierten Verordnungen mit eigenen Zeitplänen – welche Skala für Ihr konkretes Sortiment gilt, prüfen Sie am schnellsten direkt am registrierten Modell in der EPREL-Datenbank.

EPREL: Das EU-Produktregister, aus dem Ihr Shop die Daten bekommt

EPREL steht für European Product Registry for Energy Labelling. Nach Angaben der EU-Kommission müssen Hersteller, Importeure oder deren Bevollmächtigte jedes Modell dort registrieren, bevor es in der EU in Verkehr gebracht wird. Das Register ist öffentlich: Unter eprel.ec.europa.eu lässt sich jedes registrierte Modell nachschlagen – inklusive offiziellem Label als Grafik und Produktdatenblatt als PDF.

Für Sie als Händler ist das der entscheidende Punkt: Sie müssen Label und Datenblatt nicht selbst erstellen – das ist Aufgabe des Herstellers. Ihre technische Aufgabe im Shop besteht aus drei Teilen:

  1. Zuordnung: Welches Produkt in Ihrem Katalog entspricht welchem EPREL-Eintrag? Der Schlüssel ist die EPREL-Registrierungsnummer bzw. die Modellkennung des Herstellers – beides steckt auch im QR-Code oben rechts auf jedem neuen Label.
  2. Abruf: Label-Grafik und Datenblatt-PDF aus EPREL in den Shop holen – automatisch per API oder manuell als Datei.
  3. Anzeige: Beides in der Nähe des Preises rendern – auf der Produktseite, aber praktisch überall dort, wo Ihr Theme einen Preis ausgibt: Kategorieseiten, Suchergebnisse, Warenkorb.

Der dokumentierte Abmahnfall: A++ statt A–G

Der eingangs erwähnte Fall ist kein Einzelphänomen. In meiner Recherche zum Abmahngeschehen im August 2026 taucht die veraltete Plusklassen-Skala als konkret abgemahnter Fehler auf, und der wöchentlich erscheinende Abmahnradar der IT-Recht Kanzlei führt Verstöße gegen Kennzeichnungspflichten als Dauerthema. Das Muster dahinter: Die Umstellung auf A–G liegt für die großen Produktgruppen über fünf Jahre zurück – aber in Produktbildern, Beschreibungstexten und importierten Herstellerdaten leben die alten Klassen weiter. Genau dort greifen Abmahner zu, denn der Verstoß ist per Screenshot in Sekunden dokumentiert.

Energielabel in Shopify einrichten: Mit App in fünf Schritten

Der schnellste Weg ist eine spezialisierte App. Die aktuell am besten bewertete Lösung ist EU Energy Label für 20 $/Monat (5,0 Sterne bei 16 Reviews, Stand August 2026). Sie zieht Label und PDF-Datenblatt automatisch per EPREL-API und zeigt beides auf Produktseite, Kategorieseite, in der Suche und im Warenkorb an. Alternativen aus derselben Nische sind EPREL Label Suite und Eprel Label Buddy.

  1. App installieren

    Im Shopify App Store „EU Energy Label" installieren. Die App kostet 20 $/Monat, also 240 $/Jahr – bei mehr als einer Handvoll gelabelter Produkte ist das günstiger als die manuelle Pflege.

  2. Produkte mit EPREL verknüpfen

    Jedem betroffenen Produkt die EPREL-Registrierungsnummer oder Modellkennung zuweisen. Sie finden die Nummer in der öffentlichen EPREL-Datenbank oder im QR-Code auf dem Label des Herstellers. Bei Varianten mit unterschiedlichen Modellen (z. B. Kühlschrank in zwei Größen) braucht jede Variante ihre eigene Zuordnung.

  3. Automatischen Abruf kontrollieren

    Die App lädt Label-Grafik und Datenblatt-PDF direkt aus EPREL. Prüfen Sie stichprobenartig, ob die abgerufene Effizienzklasse mit dem EPREL-Eintrag übereinstimmt – Tippfehler in der Modellkennung führen sonst zum falschen Label.

  4. Platzierung im Theme konfigurieren

    Anzeige so einstellen, dass das Label in der Nähe des Preises erscheint – nicht am Seitenende. Aktivieren Sie die Anzeige auch für Kategorieseiten, Suchergebnisse und Warenkorb, denn dort steht ebenfalls ein Preis.

  5. Endkontrolle auf allen Geräten

    Mobile Darstellung testen (öffnet sich das Label im Overlay korrekt?), Datenblatt-Links klicken, und die Produktbilder auf alte Plusklassen-Grafiken durchsehen – die App ersetzt keine veralteten Hersteller-Bilder.

Ohne App: Metafelder und Theme-Einbau

Bei kleinem Sortiment, sehr individuellen Themes oder wenn Sie die 20 $/Monat sparen wollen, geht es auch nativ. Das Prinzip: Label und Datenblatt als Dateien hinterlegen, per Metafeld ans Produkt binden, per Snippet rendern.

Schritt 1 – Metafelder definieren: Unter Einstellungen → Benutzerdefinierte Daten → Produkte drei Definitionen anlegen:

MetafeldTypInhalt
custom.effizienzklasseEinzeiliger Textz. B. „C"
custom.energielabelDatei (Bild)Label-Grafik aus EPREL
custom.datenblattDateiProduktdatenblatt als PDF

Schritt 2 – Dateien beschaffen: Label und Datenblatt zum jeweiligen Modell aus der öffentlichen EPREL-Datenbank herunterladen und unter Inhalte → Dateien hochladen. Anschließend auf der Produktseite im Admin den Metafeldern zuweisen.

Schritt 3 – Snippet einbauen:

snippets/energy-label.liquid
{% comment %}
  EU-Energielabel + Produktdatenblatt aus Metafeldern rendern.
  Einbindung: {% render 'energy-label', product: product %}
{% endcomment %}
{%- liquid
  assign klasse = product.metafields.custom.effizienzklasse.value
  assign label = product.metafields.custom.energielabel.value
  assign datenblatt = product.metafields.custom.datenblatt.value
-%}
{%- if klasse != blank -%}
  <div class="energy-label">
    {%- if label -%}
      <a href="{{ label | image_url }}" target="_blank" rel="noopener"
         aria-label="EU-Energielabel anzeigen, Effizienzklasse {{ klasse | escape }}">
        <img
          src="{{ label | image_url: width: 120 }}"
          width="60" height="120" loading="lazy"
          alt="EU-Energielabel, Effizienzklasse {{ klasse | escape }}">
      </a>
    {%- endif -%}
    {%- if datenblatt -%}
      <a class="energy-label__sheet" href="{{ datenblatt.url }}"
         target="_blank" rel="noopener">
        Produktdatenblatt (PDF)
      </a>
    {%- endif -%}
  </div>
{%- endif -%}

Das Snippet rendern Sie in sections/main-product.liquid direkt unter dem Preis-Block. Wichtig: Auch Ihre Produktkarten (snippets/card-product.liquid in Dawn-basierten Themes) zeigen Preise – dort gehört mindestens die geschachtelte Klassen-Anzeige hin. In Online-Store-2.0-Themes können Sie das Ganze alternativ als App-Block-freien Theme-Block umsetzen und im Theme-Editor pro Template platzieren – wie das architektonisch funktioniert, zeige ich im Artikel zu Sections Everywhere.

App (EU Energy Label, 20 $/Mon)

  • Label und Datenblatt kommen automatisch aktuell aus EPREL
  • Anzeige auf Produkt, Kategorie, Suche und Warenkorb ohne Theme-Eingriff
  • Skaliert auf hunderte Produkte ohne Mehraufwand

Manuell (Metafelder + Liquid)

  • Label und Datenblatt müssen je Modell manuell aus EPREL geholt werden
  • Jede Modelländerung erfordert Datei- und Metafeld-Pflege von Hand
  • Produktkarten, Suche und Warenkorb brauchen eigene Theme-Anpassungen

Typische Fehler aus der Praxis

Diese Punkte prüfe ich in jedem technischen Audit zuerst – weil sie am häufigsten schiefgehen:

  • Alte Skala in Produktbildern: Das Theme zeigt das korrekte A–G-Label, aber im Bilder-Karussell hängt noch die A+++-Grafik aus dem Hersteller-Katalog von 2019.
  • Label nur auf der Produktseite: Kategorieseiten, Suchergebnisse und Warenkorb zeigen Preise ohne jede Kennzeichnung.
  • Datenblatt fehlt oder führt ins Leere: Der Link zeigt auf eine Hersteller-URL, die inzwischen 404 liefert – ein toter Link erfüllt die Anzeigepflicht nicht.
  • Effizienzklasse nur als Fließtext: „Energieklasse C" in der Beschreibung, aber kein hinterlegtes Label – die geschachtelte Anzeige verlangt den klickbaren Pfeil mit vollständigem Label dahinter.
  • Varianten-Falle: Zwei Gerätegrößen mit unterschiedlichen Effizienzklassen teilen sich ein Metafeld – eine der beiden Angaben ist damit zwangsläufig falsch.
  • Vergessene Vertriebskanäle: Newsletter- und Google-Shopping-Feeds transportieren Preise, aber keine Kennzeichnung – auch diese Ausspielungen gehören in den Check.

Wenn Ihr Sortiment regelmäßig wächst, lohnt sich Automatisierung: Ein Flow- oder Mechanic-Task, der neue Produkte in den betroffenen Kategorien ohne gefülltes Effizienzklasse-Metafeld meldet, fängt Lücken ab, bevor sie live gehen. Wie solche Prüf-Automatisierungen aufgebaut sind, beschreibe ich im Guide zu Custom-Automatisierung.

Fazit: Erst Datenbestand klären, dann Anzeige bauen

Die Reihenfolge entscheidet: Zuerst klären Sie, welche Ihrer Produkte in gelabelte Gruppen fallen und ob die EPREL-Einträge der Hersteller vollständig sind. Dann wählen Sie den Anzeigeweg – App ab etwa zehn betroffenen Produkten, Metafeld-Lösung bei kleinem, stabilem Sortiment. Zum Schluss räumen Sie die Altlasten ab: Produktbilder, Beschreibungstexte, Feeds.

Wer das einmal sauber aufsetzt, hat mit dem Thema wenig laufende Arbeit – die Daten kommen aus EPREL, die Anzeige läuft im Theme. Zusammenarbeit lohnt sich vor allem an zwei Stellen: beim systematischen Erst-Check des gesamten Shops (nicht nur Energielabel, sondern auch Grundpreise und Pflichtangaben) und beim Theme-Einbau in ältere oder stark angepasste Themes. Genau dafür gibt es mein technisches Compliance-Audit für 490 €.

Häufige Fragen

Welche Produkte brauchen im Onlineshop ein Energielabel?

Gelabelte Produktgruppen sind unter anderem Kühl- und Gefriergeräte, Waschmaschinen, Geschirrspüler, elektronische Displays inklusive Fernseher, Lichtquellen sowie seit dem 20. Juni 2025 neu auf den Markt gebrachte Smartphones und Tablets. Ob ein konkretes Modell betroffen ist, sehen Sie am schnellsten in der öffentlichen EPREL-Datenbank – ist das Modell dort registriert, existieren auch Label und Datenblatt.

Muss ich neben dem Energielabel auch das Produktdatenblatt anzeigen?

Ja, die Vorgaben verlangen beides in elektronischer Form: das Label und das Produktdatenblatt, platziert in der Nähe des Produktpreises. Das Datenblatt darf über einen klar beschrifteten Link eingebunden werden, das Label über die geschachtelte Anzeige mit klickbarem Pfeil in der Farbe der Effizienzklasse.

Was ist die EPREL-Nummer und wo finde ich sie?

Die EPREL-Registrierungsnummer identifiziert jedes in der EU registrierte Modell eindeutig. Sie steckt im QR-Code oben rechts auf jedem neuen Label und lässt sich über die öffentliche Suche auf eprel.ec.europa.eu ermitteln. Shopify-Apps wie EU Energy Label nutzen diese Nummer, um Label und Datenblatt automatisch abzurufen.

Was kostet die Energielabel-Einrichtung in Shopify?

Die App EU Energy Label kostet 20 $/Monat und deckt Abruf und Anzeige automatisch ab. Die manuelle Metafeld-Lösung kostet keine App-Gebühr, dafür einmalig Einrichtungsaufwand und laufende Datenpflege. Ein technisches Compliance-Audit, das die Energielabel-Umsetzung zusammen mit Grundpreisen und Pflichtangaben prüft, biete ich für 490 € an.

Reicht es, die Effizienzklasse als Text neben dem Preis zu schreiben?

Nein. Die geschachtelte Anzeige sieht einen klickbaren Pfeil in der Farbe der jeweiligen Effizienzklasse vor, hinter dem sich das vollständige Label per Overlay, Pop-up oder neuem Tab öffnet. Ein reiner Text wie „Klasse C" ohne hinterlegtes Label genügt dieser Vorgabe nicht – technisch ist der Unterschied im Theme aber schnell umgesetzt.

Wer erstellt das Energielabel – Hersteller oder Händler?

Der Hersteller bzw. Importeur: Er muss jedes Modell vor dem Inverkehrbringen in EPREL registrieren und dort Label und Datenblatt hinterlegen. Als Händler rufen Sie diese Daten nur ab und zeigen sie an. Fehlt ein Modell in EPREL, klären Sie das mit Ihrem Lieferanten – selbst ein Label zu bauen ist nicht Ihre Aufgabe.

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Justin Kreutzmann

Geschrieben von

Justin Kreutzmann

Shopify-Entwickler für Custom Apps, ERP-Integrationen und Prozessautomatisierung. Ich helfe Marken, technische Grenzen zu überwinden — mit Lösungen, die im Alltag von Händlern wirklich funktionieren.

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