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Grundpreis in Shopify einstellen: PAngV technisch sauber umsetzen

Grundpreis in Shopify einstellen: natives Unit Pricing Schritt für Schritt, OS-2.0- vs. Vintage-Themes, Datenpflege-Fallen und Prüf-Anleitung zur PAngV.

Justin KreutzmannJustin Kreutzmann11 min Lesezeit

Die Wettbewerbszentrale hat 2025 insgesamt 644 Fälle rund um Preiswerbung bearbeitet — 11,6 % mehr als im Vorjahr, ein Schwerpunkt lag laut Jahresbericht auf der Preisangabenverordnung. Preisangaben gehören damit zu den am häufigsten beanstandeten Bereichen im deutschen E-Commerce — und der Grundpreis ist eine der Angaben, die ich in Shopify-Audits am häufigsten fehlend oder falsch gepflegt sehe.

Die gute Nachricht: Den Grundpreis in Shopify einstellen ist nativ möglich — ohne App, ohne Zusatzkosten, pro Variante direkt im Admin. Die schlechte Nachricht: Ob die Angabe dann wirklich überall im Storefront erscheint, hängt vom Theme ab. Und ob sie stimmt, hängt an der Datenpflege — genau dort passieren in der Praxis die meisten Fehler.

In diesem Guide zeige ich Ihnen, wie das native Unit Pricing funktioniert, wo Online Store 2.0 und Vintage-Themes sich unterscheiden, welche fünf Datenpflege-Fallen ich in Audits immer wieder sehe — und wie Sie Ihren eigenen Shop in 30 Minuten systematisch durchprüfen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Shopify bringt natives Unit Pricing mit: Grundpreis pro Variante im Admin, ohne App und ohne Zusatzkosten.
  • Alle OS-2.0-Themes zeigen den Grundpreis automatisch auf Produktseite, Collection, Warenkorb und Checkout — Vintage-Themes brauchen Liquid-Code.
  • Die PAngV verlangt Grundpreise unmissverständlich, klar erkennbar und gut lesbar — Mengeneinheit ist in der Regel 1 kg, 1 l, 1 m, 1 m² oder 1 m³.
  • Die häufigsten Fehler sind Datenpflege-Fallen: vergessene Varianten, CSV-Importe, die Grundpreis-Spalten leeren, und falsche Bezugsmengen.
  • Für den Grundpreis selbst brauchen Sie keine App — für den 30-Tage-Referenzpreis bei Rabatten (§ 11 PAngV) dagegen schon, denn den trackt Shopify nicht nativ.

Was die PAngV verlangt — und was das technisch bedeutet

Die Grundlage steht in § 4 PAngV: Wer Verbrauchern Waren in Fertigpackungen, offenen Packungen oder Verkaufseinheiten ohne Umhüllung nach Gewicht, Volumen, Länge oder Fläche anbietet, muss neben dem Gesamtpreis auch den Grundpreis angeben — und zwar „unmissverständlich, klar erkennbar und gut lesbar". Es gibt Ausnahmen, etwa für Waren unter 10 Gramm oder 10 Milliliter.

Die Mengeneinheit regelt § 5 PAngV:

WarenartÜbliche Bezugseinheit
Gewicht1 Kilogramm
Volumen1 Liter (bzw. 1 Kubikmeter)
Länge1 Meter
Fläche1 Quadratmeter
Lose Ware nach Gewicht/Volumen1 kg oder 100 g bzw. 1 l oder 100 ml — je nach Verkehrsauffassung

Technisch übersetzt heißt das für Ihren Shop: Jede betroffene Variante braucht zwei gepflegte Werte — die tatsächliche Füllmenge des Produkts und die Bezugsmenge, auf die der Grundpreis gerechnet wird. Genau diese beiden Felder bietet Shopify nativ an.

Grundpreis in Shopify einstellen: Schritt für Schritt

Shopify nennt das Feature Unit Pricing. Wichtig vorab: Pro Produkt bzw. Variante ist genau ein Grundpreis möglich, und die verfügbaren Einheiten richten sich nach dem Einheitensystem in den allgemeinen Shop-Einstellungen (metrisch für deutsche Shops).

  1. Einzelnes Produkt: Preisbereich öffnen

    Im Admin unter Produkte → Produkt auswählen → Abschnitt Preisgestaltung finden Sie die Grundpreis-Option (im englischen Admin „Unit price"). Dort tragen Sie zwei Werte ein: die Gesamtmenge („Total amount") — also die tatsächliche Füllmenge, z. B. 250 g — und optional die Basismenge („Base measure"), auf die der Grundpreis bezogen wird, z. B. 1 kg. Shopify rechnet den Grundpreis daraus automatisch aus; Sie tippen nie einen Euro-Betrag ein, der falsch werden kann.

  2. Varianten einzeln pflegen

    Bei Produkten mit Varianten hängt der Grundpreis an der Variante, nicht am Produkt. Ein 250-g-Glas und ein 500-g-Glas desselben Produkts brauchen jeweils eigene Mengenangaben — sonst zeigt eine Variante einen falschen oder gar keinen Grundpreis. Öffnen Sie dazu jede Variante und pflegen Sie beide Felder.

  3. Viele Produkte: Bulk-Editor nutzen

    Für Massenpflege markieren Sie im Admin mehrere Produkte und öffnen den Bulk-Editor. Dort blenden Sie die Spalte Grundpreis („Unit price") ein und bearbeiten Gesamtmenge, Basismenge und Einheiten tabellarisch — deutlich schneller als jede Produktseite einzeln.

  4. Import und Sync: die vier CSV-Spalten kennen

    Beim CSV-Import gehören zum Grundpreis vier Spalten: Unit price total measure, Unit price total measure unit, Unit price base measure und Unit price base measure unit. Wer Produktdaten per CSV oder Warenwirtschaft synchronisiert, muss diese Spalten mitführen — dazu gleich mehr bei den Datenpflege-Fallen.

Ist der Grundpreis gesetzt, zeigt Shopify ihn laut offizieller Dokumentation an allen relevanten Stellen an: Produktseite, Collection-Seiten, Warenkorb, Checkout und in der Standard-Bestellbestätigung — vorausgesetzt, Ihr Theme spielt mit.

OS-2.0- vs. Vintage-Themes: wo es klemmt

Hier liegt die wichtigste technische Weiche: Alle Online-Store-2.0-Themes rendern den Grundpreis automatisch — es ist keinerlei Theme-Anpassung nötig. Wer ein aktuelles Theme wie Dawn oder ein gepflegtes Theme-Store-Theme nutzt, muss nur die Daten sauber halten.

Vintage-Themes (die alte Liquid-Template-Generation vor Online Store 2.0) kennen die Grundpreis-Ausgabe dagegen oft nicht. Die Daten liegen dann zwar im Admin, erscheinen aber nirgends im Storefront — der unangenehmste Fall, weil im Backend alles gepflegt aussieht. Shopify empfiehlt hier explizit eine Code-Anpassung. Was zur OS-2.0-Generation gehört und woran Sie Ihr Theme erkennen, habe ich im OS-2.0-Guide ausführlich beschrieben.

Die Nachrüstung ist überschaubar. Liquid stellt die Grundpreis-Daten an jedem Varianten-Objekt bereit:

snippets/unit-price.liquid
{%- comment -%}
  Grundpreis-Ausgabe für Vintage-Themes.
  Aufruf z. B.: {% render 'unit-price', variant: product.selected_or_first_available_variant %}
{%- endcomment -%}
{%- if variant.unit_price_measurement -%}
  <span class="unit-price">
    {{ variant.unit_price | money }}
    {%- assign ref_value = variant.unit_price_measurement.reference_value -%}
    /
    {%- if ref_value != 1 -%}{{ ref_value }}{%- endif -%}
    {{ variant.unit_price_measurement.reference_unit }}
  </span>
{%- endif -%}

Dieses Snippet gehört an vier Stellen: ins Produkt-Template (mit Update beim Variantenwechsel), in die Produktkarte der Collection, in die Warenkorb-Zeile (dort über item.unit_price) und — je nach Theme — in Quick-View-Elemente. Genau diese Vollständigkeit ist der Unterschied zwischen „Feld ist gepflegt" und „Angabe ist im Shop sichtbar".

Die fünf Datenpflege-Fallen

In Audits sehe ich immer wieder dieselben Muster — fast nie ist das Feature das Problem, fast immer die Daten:

FalleSymptomTechnischer Fix
Varianten vergessenHauptvariante zeigt Grundpreis, andere Größen nichtGrundpreis je Variante pflegen, per Bulk-Editor kontrollieren
CSV-/ERP-Sync überschreibt FelderGrundpreise verschwinden nach jedem ImportDie vier Unit price-Spalten in jeden Export/Import-Job aufnehmen
Falsche Bezugsmenge6,90 € für 250 g, angezeigt als „6,90 €/kg"Gesamtmenge = Füllmenge, Basismenge = 1 kg — Shopify rechnet dann korrekt 27,60 €/kg
Einheit passt nicht zur WareFlüssigware mit Gramm-Bezug, Meterware ohne LängenbezugEinheit an der Warenart ausrichten (vgl. § 5 PAngV), nicht an der Lieferanten-CSV
Sets und BundlesBundle aus 3×250 g ohne oder mit falschem GrundpreisGesamtmenge des Sets (750 g) als Basis der Berechnung pflegen

Die dritte Falle ist die tückischste: Der Shop zeigt einen Grundpreis an — nur einen falschen. Rechnen Sie stichprobenartig nach: 6,90 € geteilt durch 0,25 kg sind 27,60 €/kg. Steht dort „6,90 €/kg", wurde die Füllmenge als 1 kg gepflegt.

Eine Einschränkung sollten Händler mit Auslandsmärkten kennen: Die Einheit gilt über alle Märkte hinweg gleich — Shopify kann nicht pro Markt unterschiedliche Einheitentypen anzeigen (etwa metrisch in der EU und imperial in den USA). Wie Sie Märkte grundsätzlich sauber aufsetzen, zeigt der Artikel zu Shopify Markets.

Grundpreisangabe prüfen: die 30-Minuten-Anleitung

So prüfen Sie Ihren Shop selbst — in dieser Reihenfolge, denn sie deckt erst die Daten, dann die Anzeige ab:

  1. Betroffenes Sortiment eingrenzen

    Filtern Sie im Admin nach Produkttypen, die nach Gewicht, Volumen, Länge oder Fläche verkauft werden — Lebensmittel, Kosmetik, Farben, Stoffe, Kabel. Taggen Sie diese Produkte (z. B. grundpreis-pflichtig), damit die Prüfung wiederholbar wird.

  2. Bulk-Editor: leere Felder finden

    Öffnen Sie die getaggten Produkte im Bulk-Editor und blenden Sie die Grundpreis-Spalte ein. Leere Zellen springen sofort ins Auge — notieren Sie jede Variante ohne Werte.

  3. CSV-Vollexport als Zweitkontrolle

    Exportieren Sie die Produkte als CSV und prüfen Sie die vier Unit price-Spalten in der Tabellenkalkulation. Eine einfache Formel markiert Lücken:

    Beispiel-Formel: fehlende Grundpreisdaten markieren
    =WENN(UND(A2<>""; ODER(B2=""; C2="")); "FEHLT"; "OK")

    A = Variantenkennung, B/C = Unit price total measure und Unit price base measure. Bei mehreren tausend Varianten ist das der einzige Weg, der wirklich alles erfasst.

  4. Storefront-Stichprobe an vier Stellen

    Prüfen Sie pro Warengruppe ein Produkt im echten Shop: Produktseite (inklusive Variantenwechsel!), Collection-Karte, Warenkorb, Checkout. Fehlt die Angabe an einer Stelle, obwohl die Daten gepflegt sind, liegt es fast immer am Theme — bei Vintage-Themes an fehlendem Code, bei stark angepassten OS-2.0-Themes an überschriebenen Preis-Snippets.

  5. Nachrechnen und Wiederholung einplanen

    Rechnen Sie fünf Grundpreise per Hand nach (Preis ÷ Füllmenge × Basismenge). Und: Wiederholen Sie Schritt 2–4 nach jedem größeren Import oder App-Rollout — Datenpflege ist kein Einmal-Projekt. Wer regelmäßig per Warenwirtschaft synchronisiert, sollte die Grundpreis-Spalten fest in die Sync-Strecke aufnehmen; wie solche Integrationen sauber laufen, beschreibe ich im ERP-Integrations-Guide.

Braucht es eine App? Für den Grundpreis: nein

Für die Grundpreisangabe selbst ist keine App nötig — das native Unit Pricing deckt Pflege, Berechnung und Anzeige ab. Jede App wäre hier ein zusätzliches Glied in der Kette, das bei Theme-Updates brechen kann.

Anders sieht es beim benachbarten Thema Streichpreise aus: Bei Rabatten verlangt § 11 PAngV die Angabe des niedrigsten Preises der letzten 30 Tage — und genau diesen Referenzpreis trackt Shopify nicht nativ; das Feld compare_at_price ist frei setzbar und hat keine Preishistorie. Hier übernehmen spezialisierte Apps das Tracking und die Anzeige, etwa Omnibus Price History von Netkodo (5–10 $/Monat) oder Complimus (14,90 $/Monat). Die Auswahl und saubere Theme-Integration solcher Apps ist ein typischer Baustein meiner technischen Umsetzungen — die Bewertung Ihrer Rabatt-Praxis im Einzelfall gehört dagegen zum Anwalt.

Fazit: Das Feature ist gelöst — die Arbeit steckt in den Daten

Grundpreise sind in Shopify kein Entwicklungsproblem mehr: Das native Unit Pricing rechnet korrekt, zeigt die Angabe auf allen relevanten Seitentypen und kostet nichts extra. Die realen Baustellen liegen woanders — in Vintage-Themes ohne Ausgabe-Code, in Importstrecken, die die vier Grundpreis-Spalten nicht mitführen, und in Varianten, die bei der Erstpflege durchgerutscht sind.

Meine Empfehlung: Machen Sie die 30-Minuten-Prüfung einmal komplett durch. Wenn dabei ein Vintage-Theme, tausende ungepflegte Varianten oder eine ERP-Sync-Strecke zum Vorschein kommen, lohnt sich Unterstützung — als technischer Prüfbericht (490 €) mit anschließendem Fix-Sprint (ab 1.500 €), inklusive Theme-Code, Datenmigration und Absicherung der Importstrecke. Details dazu auf der Compliance-Seite.

Häufige Fragen

Wie stelle ich den Grundpreis in Shopify ein?

Im Admin unter Produkte → Produkt → Preisgestaltung tragen Sie pro Variante die Gesamtmenge (Füllmenge, z. B. 250 g) und die Basismenge (z. B. 1 kg) ein. Shopify berechnet den Grundpreis automatisch und zeigt ihn auf Produktseite, Collection, Warenkorb und Checkout an. Eine App ist dafür nicht nötig.

Zeigt jedes Shopify-Theme den Grundpreis automatisch an?

Nein. Alle Online-Store-2.0-Themes zeigen den Grundpreis ohne Anpassung an. Vintage-Themes (alte Liquid-Template-Generation) brauchen dagegen zusätzlichen Liquid-Code über variant.unit_price und variant.unit_price_measurement — sonst bleiben gepflegte Daten im Storefront unsichtbar.

Für welche Produkte ist die Grundpreisangabe Pflicht?

§ 4 PAngV nennt Waren, die Verbrauchern nach Gewicht, Volumen, Länge oder Fläche angeboten werden — mit Ausnahmen, etwa unter 10 g bzw. 10 ml. Ob Ihr konkretes Sortiment betroffen ist, ist eine Rechtsfrage für Anwalt, Händlerbund oder IT-Recht Kanzlei; die technische Umsetzung der Vorgaben übernehme ich.

Kann ich Grundpreise in Shopify per CSV importieren?

Ja. Der Produkt-CSV kennt vier Spalten: Unit price total measure, Unit price total measure unit, Unit price base measure und Unit price base measure unit. Wichtig: Diese Spalten müssen in jeder Import- und Sync-Strecke mitgeführt werden, sonst leeren wiederkehrende Importe die gepflegten Werte.

Brauche ich eine App für Grundpreise in Shopify?

Für den Grundpreis selbst nicht — das native Unit Pricing reicht. Eine App brauchen Sie erst beim 30-Tage-Referenzpreis für Rabatte (§ 11 PAngV), den Shopify nicht nativ trackt; Apps wie Omnibus Price History (5–10 $/Monat) oder Complimus (14,90 $/Monat) übernehmen das Tracking und die Anzeige.

Warum wird mein Grundpreis nur bei einer Variante angezeigt?

Weil der Grundpreis an der Variante hängt, nicht am Produkt. Jede Größe braucht eigene Werte für Gesamt- und Basismenge. Am schnellsten prüfen Sie das im Bulk-Editor mit eingeblendeter Grundpreis-Spalte — leere Zellen sind die fehlenden Varianten.

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Justin Kreutzmann

Geschrieben von

Justin Kreutzmann

Shopify-Entwickler für Custom Apps, ERP-Integrationen und Prozessautomatisierung. Ich helfe Marken, technische Grenzen zu überwinden — mit Lösungen, die im Alltag von Händlern wirklich funktionieren.

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